Dienstag, 29. September 2015

City of Joy was ist das?




Ich glaub es ist mal an der Zeit zu erklären wo ich hier eigentlich meine Zeit verbringe. Wie ich in meinem letzten Eintrag geschrieben habe, bin ich hier in City of Joy. Das ist der Name von dem Projekt hier in Mazabuka. Es ist ein 'home for girls at risk', also ein Zuhause für Mädels die, aus welchen Umständen auch immer, nicht zu Hause leben können. Diese Mädels sind nicht unbedingt Weisenkinder, es kann auch durchaus sein, dass sie beide Eltern zu Hause haben aber es trotzdem nicht möglich ist, dass die Mädels bei ihnen leben. Das jüngste Mädchen ist momentan sieben Jahre alt, sie ist erst zwei Tage vor mir hier angekommen, und die ältesten sind 19 Jahre alt.

Es leben hier zurzeit zwei Schwestern (eigentlich drei aber eine ist gerade auf Heimaturlaub), sieben Aspirantinnen (angehende Schwestern), drei Mummies, 30 Mädels und vier Volontäre. Die Schwestern leiten das Projekt und werden dabei von den Aspirantinnen unterstützt, die Mummies leben mit den Mädels in zwei Häusern aufgeteilt und eine ist für das Kochen zuständig. Es wird versucht den Mädels ein Familienleben zu ermöglichen.

Das Projekt gibt es seit 2008 und es ist immer noch im entstehen. Es ist hier ein recht großes Gelände und es gibt momentan noch echt wenige Häuser. Aber es gibt auch schon Fundamente für neue Häuser. In einigen Jahren ist es wahrscheinlich ein großes Projekt, welches viel mehr Mädchen ein zu Hause bietet.

Die Mädels leben hier 11 Monate im Jahr. Einzig im Dezember dürfen sie nach Hause fahren und ihre Familien und Freunde besuchen (sofern vorhanden). Die Mädchen wohnen hier und verbringen hier ihre Freizeit, allerdings gehen sie im Ort in die Schule. Da nicht alle Mädels gleichzeitig Schule haben, sind immer welche zu Hause.

Es gibt hier auch jeden Nachmittag (außer Freitag) ein so genanntes 'Oratory'. Hier kommen viele Kinder und Jugendliche, aus dem Ort, um ihre Freunde zu treffen, Fußball zu spielen oder einfach nur um zu chillen. Am Wochenende sind immer um die 80 Leute da, unter der Woche meistens so 20-30.

Die Aufgaben von uns Volontären sind am Vormittag die Mädels zu betreuen die erst am Nachmittag Schule haben. Wir versuchen sie ein bisschen in unterschiedlichen Fächern zu unterrichten, 'versuchen' trifft es glaub ich ziemlich gut. Ich hab den Mathe-Unterricht übernommen, was gar nicht so einfach für mich ist, da ich natürlich alles auf Englisch erklären muss und die Mädels, wenn sie etwas nicht verstehen, in ihrer lokalen Sprache auf mich einreden. Ansonsten sind wir beim Oratory dabei und verbringen viel Zeit mit den Mädels und versuchen möglichst viel für sie dazu sein. Am Abend helfen wir ihnen auch immer bei ihren Hausaufgaben und lernen mit ihnen.

Montag, 21. September 2015

Ankommen in City of Joy



Auch wenn es schon einige Tage her ist möchte ich euch von meiner Ankunft im Projekt 'City of Joy' erzählen.

Zusammen mit einer anderen Volontärin aus Österreich bin ich von Wien nach Dubai geflogen. Dort hatten wir einige Stunden Aufenthalt, bevor es weiter ging nach Lusaka, der Hauptstadt von Sambia. Wir waren beide sehr nervös, weil wir nicht so genau wussten was auf uns zukommen wird. Außerdem wussten wir beide nicht wer uns abholen wird und haben nur gehofft dass überhaupt jemand da sein wird. Als wir am Flughafen angekommen sind, mussten wir uns zuerst um unser Visum kümmern. Wir mussten zwar lang anstehen, aber es hat problemlos geklappt. Danach konnten wir uns auch schon unsere Koffer nehmen und hielten Ausschau nach einer Schwester. Wir haben Sr. Agness auch gleich gefunden, da der Flughafen echt nicht groß ist. Sr. Agness ist die Oberschwester von dem Projekt wo ich bin, sie hat gleich vom ersten Eindruck sehr nett gewirkt und mir meine Nervosität genommen. Sie hat mir auch gesagt, dass ich die nächsten Tage zwar die einzige Volontärin bin aber dass dann noch mehr kommen, das hat mich sehr gefreut.

Dann ging es auch schon los, mit dem Auto durch den Verkehr von Lusaka, wo es üblich ist, dass Verkäufer auf der Straße herumspazieren und Sachen verkaufen, von Zwiebeln über Hosen bis zu Fahrradreifen eigentlich alles. Da hab ich gleich einen ersten Eindruck vom Land bekommen und hab auch gleich festgestellt dass ich hier ganz deutlich der Ausländer bin.

Zuerst sind wir zu City of Hope gefahren, einem großen Projekt in Lusaka. Hier ist die andere Volontärin ausgestiegen und wird dort ein paar Tage bleiben, sie kommt in ein Projekt nach Kasama. Dann sind wir auch schon weiter gefahren, nach Mazabuka. In Sambia ist Linksverkehr, was schon mal gewöhnungsbedürftig für mich ist, aber die Autos sind oft auch in einem anderen Zustand als in Österreich. So gibt es z.B. in dem Auto in dem ich gesessen bin nur eine Kurbel für die Fenster, die halt immer weiter gereicht werden muss. Außerdem haben manche Autos nicht mehr alle Lichter. Da es schon dunkel gewesen ist als wir nach Mazabuka gefahren sind, war das durchaus ein Problem und wir wären beinahe einem vorderen Auto reingefahren, da unser Fahrer das Auto nicht sehen konnte da es keine Rück- und Bremslichter mehr hatte. So etwas wie Straßenbeleuchtung gibt es hier auch kaum.

Nach ca. zwei Stunden sind wir dann in Mazabuka angekommen. Es haben einige Mädels schon gewartet und mich zur Begrüßung umarmt. Da ich schon sehr lang unterwegs war, war ich sehr müde und habe mich schon sehr auf ein Bett gefreut. Aber zuerst gab es Abendessen für uns. Bei diesem Essen hab ich bemerkt dass es hier üblich ist mit den Fingern zu essen. Aber sie haben auch Messer und Gabel, welche ich dann doch bevorzugt habe.

Nach dem Essen wurde mir gesagt, dass ich im 'Wohnzimmer' platznehmen soll. Es waren einige von den Aspirantinnen (angehende Schwestern) da, die sich mit mir unterhalten wollten. Zwar spricht hier jeder Englisch (Amtssprache) aber doch mit einem anderen Akzent als bei uns, also musste ich nach jeder Frage die sie mir gestellt haben, sie bitten sie zu wiederholen. Dann sind plötzlich alle Mädels hereingekommen und sie haben für mich in verschiedenen Gruppen getanzt und Willkommenslieder gesungen. Das hat mich ziemlich überwältigt da ich nicht mit so einem Empfang gerechnet habe. Danach sind zwei mit einem riesigen Kuchen hereingekommen. Da sie mir ein Messer hingehalten haben, habe ich gedacht, dass ich den Kuchen aufschneiden soll, aber ich wusste nicht, dass ich nur den ersten Schnitt machen soll, also hab ich weiter aufgeschnitten und wurde prompt von den Mädels ausgelacht (das passiert mir hier öfters dass ich ausgelacht werde :D). Nachdem wir den Kuchen gegessen haben und einem kurzen Gebet durfte ich endlich schlafen gehen und bin einfach nur mehr in mein Bett gefallen.